…cleaning out my closet

clothes_rack

wardrobe_essentials

reebok_facestockholm

cleaning_closet

Herzlich willkommen im Jahr 2016! Treten Sie ein, kommen Sie näher. Das Jahr ist erst ein paar Tage alt, aber ich habe es schon geschafft, einen meiner Vorsätze nicht einzuhalten, nämlich “gesünder leben”. Irgendwie ironisch, dass ich direkt am 1. Januar eine mächtige Erkältung bekommen habe. Vielleicht sollte ich die in angetrunkenem Zustand schwammig formulierten Bestrebungen zur vermeintlich positiven Generalüberholung meiner selbst doch nochmal überdenken. Was klischierte Vorsätze betrifft, kann ich mir jedoch nur schwer helfen, denn solche Listen zu schreiben ist schlichtweg beruhigend. Man hat das Gefühl, mit den nieder geschriebenen, gut gemeinten Handlungszielen, das eigene Leben in kontrollierbare Bahnen lenken zu können. Ja, man hat seine Zukunft quasi selbst in der Hand, so heißt es doch (und als Liste auf Papier ist das ganz wortwörtlich zu nehmen). Bis zu einem gewissen Grad mag das wohl stimmen, allerdings vergisst man schonmal im Eifer des Gefechts, dass der Zufall gerne eine tragende Nebenrolle im Spiel des Lebens übernimmt. Nicht alles, was wir tun und erleben ist eine Folge von bewussten, reflektierten und vor allem selbst getroffenen Entscheidungen. Somit sollte ein Punkt der Vorsatzliste immer heißen: mit dem Unberechenbaren rechnen. Es kommt ja sowieso alles anders, als man abhaken kann. It is known.

Nichtsdestotrotz. (Es folgt der nun etwas weit hergeholte Versuch den Bogen zu spannen, um zum eigentlichen Thema dieses Artikels zu kommen, tadaa.) Manchmal habe ich Bock auf Projekte in den eigenen vier Wänden. Als digital native lasse ich mich selbstverständlich davon beeinflussen, was in der Netzwelt vor sich geht. Einer der Trends, der die Beauty Community seit Wochen, wenn nicht sogar schon seit Monaten fest im Griff hat, ist “Minimalismus”. Der Lebensstil du jour wurde nicht zuletzt von Marie Kondo vorangetrieben, deren Buch zum Thema “Reinemachen” die neue Bibel der weißen-T-Shirt-Träger/innen ist. Ganz ernsthaft? Ein Buch über Aufräumen lesen zu müssen wäre für mich die reinste Tortur. Zu den sauber danieder geschriebenen Zeilen der Ordnungsmarie kann ich mich also aus gutem Grund nicht äußern. Was ich jedoch kann, ist den gesamten Trend zu betrachten und mich zu fragen, ob es Aspekte gibt, die ich für mein Leben adaptieren kann und eine positive Auswirkung haben. Minimalismus an sich klingt runtergebrochen nicht so verkehrt: sich auf das zu besinnen, was man tatsächlich zum leben braucht, materiell wie immateriell. Es soll wohl befreiend sein, all den unnötigen Ballast, mit dem man sich umgibt, abzuwerfen. Aber machen wir uns nichts vor: in diesem Leben werde ich keine Herzblutminimalistin mehr.

Ich habe nur in den seltensten Fällen erlebt, dass sich Menschen fundamental ändern. Wenn ich sehr genau darüber nachdenke, fällt mir noch nicht einmal ein konkretes Beispiel aus meinem Dunstkreis ein. Und ich selbst bin kein Mensch, der langfristig superordentlich ist. Dafür haben ich zuviele Sachen. Und die habe ich gerne – meine materiellen Besitztümer machen mich glücklich. Die metallic Reeboks in Gold, Silber und Kupfer brauche ich natürlich nicht. Aber ich liebe sie alle und konnte kein Paar zurück geben. Seht ihr, wie dreckig die goldenen Sneakers schon sind? Das kommt vom häufigen Tragen, ehrlich. Wahrscheinlich klebt sogar noch etwas Koks von neulich an der Sohle (oder wasauchimmer Generation Z heutzutage in Begegnungsstätten elektronischer Musikkultur mit zittrigen Fingern konsumiert). Wie dem auch sei, das gleiche Modell eines Turnschuhs in drei verschiedenen Farben braucht kein Mensch. But fuck it, ich bin eben ein Kind des Kapitalismus. Akzeptanz ist der erste Schritt in ein befreites Dasein, oder nicht?

Wenn sich aber das Szenario OMGICHHABENICHTSANZUZIEHEN in immer kürzeren Abständen wiederholt, ist es Zeit, seine Kleiderordnung zu überdenken (das schließt allerdings die geliebten metallic Kicks aus, dass das klar ist). Das habe ich getan. Habe Klamotten aus dem Schrank ge- und dann angezogen, darüber nachgedacht, welche Stücke ich wie oft im letzten Jahr getragen habe und zu ein paar Schrankleichen adé gesagt. Dann habe ich alles hübsch sortiert und mit dem Bügel in die falsche Richtung aufgehängt. Alles, was ich im Laufe der nächsten Wochen tatsächlich trage, hänge ich danach wieder richtig herum auf. So kann ich nach ein paar Monaten ganz gut kontrollieren, welche Teile dann doch verschmäht werden. Guter Trick. Das Projekt hat Spaß gemacht und bin hochmotiviert, in ein paar Monaten zu akzeptieren, dass ich wieder nichts zum Anziehen habe. Ich mag Jahresneubeginne.

Zu guter letzt: Wenn ihr gut erhaltene Kleider, Textilien und Schuhe aussortiert, kann ich euch nur wärmstens ans Herz legen, in den Frauenhäusern, Bahnhofsmissionen und/oder Notunterkünften eurer Stadt anzurufen und nachzufragen, ob sie Verwendung dafür haben. So kommen die Klamotten direkt an der richtigen Stelle an.

marthamacht

12 Comments

  1. Das mit den Bügeln muss ich auch mal ausprobieren… Ich habe letztes Jahr im Herbst besagtes Buch von Marie Kondo gelesen und da steht sehr viel Mumpitz drin (aber unterhaltsam, eine Tortur war es bei weitem nicht, aber zum Prokrastinieren liest man ja alles Mögliche gern), aber ich habe dank dieses Buches endlich eine Ordnung in meinen Kleiderschrank gebracht, die hält. Da sind immer noch zu viele Klamotten drin (auch wenn ich echt gut ausgemistet habe!), aber immerhin hat sich die Entropie da drin nun seit 4 Monaten nach dem großen Aufräumen nicht vergrößert.
    Das “OMGICHHABENICHTSANZUZIEHEN” hat sich seit dem Ausmisten und Aufräumen aber ein wenig verbessert, bilde ich mir ein. Vielleicht liegt es aber daran, dass man mit weniger Auswahl deutlich weniger Probleme hat, sich anzuziehen. Eine Garderobe, die aus 20 Teilen besteht, fände ich so reizvoll, aber erreichen kann ich das in diesem Leben wohl nicht mehr 😀

    • Mumpitz ist si ein geiles Wort! <3
      Bisher hat sich bei mir auch alles ordentlich gehalten. Aber ich habe letzte Woche auch nur krank in Joggingklamotten gegammelt. Der Ernst des Lebens kommt erst jetzt wieder. 😀
      Und übrigens: ich habe ja nicht meinen ganzen Kleiderschrank gezeigt. Meine gesamte BM Sammlung habe ich anders gelagert. ^^

  2. 😀 … was ein netter Zufall, dieses Thema treibt mich seit ein paar Tagen auch um. Von der Langeweile getrieben fing ich an Minimalismus und SchrankausmistVideos zu süchteln und passendend dazu aufzuräumen, auszusortieren und rumzuplanern. Heute war ich kurz davor, mir dieses berüchtigte Büchlein zu ordern und habe es dann doch gelassen, denn a) die deutsche Ausgabe ist hässlich und b) die meisten Kapitelheadlines fand ich doof und unpassend für mich. Brauch ich doch nicht! ^^
    Ich finde auch, man muss sich nicht immer 100%ig nur der einen oder anderen “Seite” verschreiben. Der Anspruch ist irgendwie lebensfern und würde mich stressen. Aktuell schwanke ich zB ein etwas zwischen den (immer noch) recht frischen “Neue-Wohnungs-Gelüsten” (-> OMG!!! BUY all the Things!!! … alles, was ich vorher nicht aufstellen, dekorieren, oder lagern konnte) und eben dem Bedürfnis nach Ordnung und gewissermaßen Minimalismus. 😀 Thats life. Mal sehen wohin es mich treibt. Vielleicht schreib ich auch mal was zu dem Thema zusammen, ich mag das.
    Lieben Gruß

    • …wenn man einmal anfängt zu suchten… Ich hab auch zig Videos zum Minimalismus-Kleiderschrank geguckt und finde die auch toll. Allerdings weiß ich, dass ich sowas niemals umsetzen könnte. Ich brauche einfach unbedingt Auswahl und fühle mich nicht jeden Tag gleich. Da reicht mir eine gut kombinierbare Garderobe aus 40 Teilen NIE IM LEBEN!
      Schreib mal was. Du hast doch tollen Geschmack, würde gerne mal wieder ein bißchen mehr Mode bei dir sehen!

  3. Wenn deine Besitztümer dich alle glücklich machen, dann musst du dich Kondo zufolge auch gar nicht von ihnen trennen. Es geht bei ihrem Aufräumprogramm ja darum, nur das zu behalten, was einen glücklich macht! Alles andere kommt weg. Dann musst du nur noch einen festen Platz für jede einzelne Sache finden, immer wieder alles zurücklegen und schon musst du nie wieder aufräumen. Tadaa! Mehr steht in dem Buch im Grunde nicht drin. Bitteschön, gerne geschehen 😉

    • Hehehe, danke! Na, das ist doch super! Ich dachte halt, dass es bei der Konmari-Methode auch darum geht, sich mehr vom Kapitalismusgedanken abzuwenden und als Schlussfolgerung eben auch weniger zu besitzen und lernen, mit wenig glücklich zu sein. Feste Plätze für Klamotten? Da seh ich vor allem Schwierigkeiten in der Sockenschublade! 😀

  4. Oh, wie spannend, bitte eine Fortsetzung in ein paar Monaten! Ich will unbedingt wissen, wie viele Klamotten am Ende weichen müssen (mein Tip: nicht so viele, ich habe Dich zumindest selten im selben Outfit gesehen!^^)
    Ich praktiziere die Minimal-Garderobe übrigens schon seit Monaten notgrdungen…Fazit: Geht, aber ist schon doof, wenn einem Heiligabend auffällt, dass man die schicken Schuhe nicht in die neue Stadt mitgenommen hat!

    • Sehr gerne! Ich muss jetzt nur noch all die alten Sachen loswerden, die liegen verpackt in meinem Flur rum. Vielleicht magst du mal vorbei kommen und gucken, ob was für dich dabei ist? 🙂 Wir wollten doch eh noch Fotos gucken und überhaupt! Besprechen wir mal, ne?

  5. Hallo 2016! Du regnerisches Luder 😀
    Hoffe du bist bald wieder ganz auf den Beinen, kranksein ist sau scheiße.
    Vorsätze mache ich mir keine. Wenn mich was stört, dann versuche ich das immer gleich zu ändern und nicht am 01.01 als Vorsatz mehr Obst zu essen. Das mit dem Minimalismus betreibe ich auch schon in für mich reduziertem Maße. Also weniger ist mehr und ich war schon verdammt stolz auf meinen “kleinen” Koffer für 4 Tage Berlin. Immerhin war der nur halb so “groß” wie mein 4 Tage Hamburg Koffer und das war noch dazu im Sommer. Aber da schwitzt man ja auch bekanntlich mehr. Wir sammeln zur Zeit die Klamotten für die Flüchtlingshilfe. Recht hast du aber schon mit den Frauenhäusern etc. Da wird das flippige Teil wohl eher Gefallen finden. So oder so kaufe ich zumindest weniger ein. Man mein Konto freut sich eine Null in den Kontoauszug und ich weiß schon gar nicht mehr, wohin mit der ganzen Kohle. Ach Chanel Lippenstifte sind doch schön!

    • Ich bin seit heute wieder arbeiten. War echt ne heftige Bronchitis, huste immer noch ein bißchen vor mich hin.
      Also mit dem Minimalismus Reisekoffer, das kann ich auch gut. Hatte in Vietnam nur 11 kg dabei, was ich echt ziemlich super finde. Ich hoffe, ich kriege das auch weiterhin so schön hin und verfalle nicht wieder dem Shopping-Wahn. 😉

  6. Bin gerade auf deinen Blog aufmerksam geworden und seeehr begeistert:) Habe letztens auch angefangen einen Kleiderschrank clear-out zu machen.
    Vielleicht magst du ja mal bei mir vorbeischauen, mein Blog befindet sich noch im Aufbau.

    Ganz liebe Grüße:)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *